Spannender Artikel über "die Langens"

Dorothea Thoenes VIII p 1-3-1 wühlt sich tapfer durch den Papierwust, den ihre Eltern hinterlassen haben. Hierbei stösst sie auf das eine oder andere interessante Stück. Zum Beispiel diesen Zeitungsartikel von 1936 aus einem Sonderdruck der Kölnischen Zeitung über die Persönlichkeit und Familie in der neuzeitlichen rheinischen Wirtschaftsentwicklung.

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Es wird ein Bogen von Johan Jakob der Ältere hin zu Eugen Langen geschlagen 

Am 29.07. und 12.08.1936 erschien ein Sonderdruck aus der Kölnischen Zeitung über die Persönlichkeit und Familie in der neuzeitlichen rheinischen Wirtschaftsentwicklung – am Beispiel der Familie Langen.

Ein sehr spannender Artikel, der leider auf Grund der Historie für die junge Generation schwer zu lesen sein wird. Darum haben wir AI ein Transcript erstellen lassen, das du unter dem Artikel findest.

Wie immer gilt: Die Wahrheit steht im Original!

SONDERDRUCK AUS DER KÖLNISCHEN ZEITUNG NR. 380 VOM 29. 7. UND NR. 406 VOM 12. 8. 1936

Die Langens

von Bruno Kuske

Persönlichkeit und Familie in der neuzeitlichen rheinischen Wirtschaftsentwicklung

Die rheinischen Menschen prägen sich von Landshaft zu Landshaft verschieden aus. Daher aber zeigen diese Räume um so mehr dazu, sich in ihren Kräften zu verbinden. Reich geht die Bewegungsfreiheit und Beweglichkeit vom Strom aus. In früheren Zeiten schon lebte sie sich aus ihm aus und neben ihm der rheinische Mensch leichter, so daß die Menschen aus den ländlichen Nachbarschaften nach innen und über das Land hinaus trieben, während andere Hauptkräfte zu binden das Land schuf von tausend Jahren.

Besonders eindrucksvoll macht ein solcher Unterschied sich im 19. Jahrhundert geltend, als sich Deutsch- und Rheinländer unter neuen, mit ungeheuren gesteigerten Wirtschaftsmöglichkeiten einander lieb und rivalisierend nahe traten. Das erstarkte Ich aus der Abschließung, die es bisher betrieb, bei der es den engen lebendigen Zusammenhang mit der Außenwelt verlieren mußte und den neuen Zug mit mehr Furcht begegnete.

Die bergischen Menschen

In der Neugestaltung der Stände und Strömungen, um die man heute zueinander tritt, lassen sich wirtschaftliche Erfolge des alten Rheinlands immer schwerer begreifen als bloße Wirkungen der natürlichen Lage. Seit Jahrhunderten waren auf den rheinischen Höhen und in den bergischen Tälern nicht bloß Zwänge zu ertragen, durch eine harte landschaftliche Lage, sondern man mußte dürftigen, felsigen Boden und auch die größte bäuerliche Sorgfalt beim Boden seine ausreichenden Ernten abringen können; ein vollständiges Leben weiter führen konnte, mußte sich der Mensch auf sich selbst stellen. Er mußte sich eine starke und unabhängige Arbeitsleistung erziehen, und zwar nicht aus der alten großen Bauernherde, sondern in der ganz andern Tätigkeit lebender gewerblicher Kräfte.

Auf den Höhen war ein ständig arbeitender, in der Ausdauer unerschöpflicher Menschenschlag schon im Mittelalter entstanden, der von schwierigen Erzeugnissen lebte und sich damit behauptete, der sich der Mühe Dorf für Dorf stellte und in diesem Ringen auch den bergischen Menschen auf den Dörfern, in den Tälern, mit starken inneren Bewegungen erfüllte, um einen weiteren Horizont treiben ließ.

Nicht nur zur Beschäftigung in kleinen Gewerben, zur Ausfuhr von Produkten, zur Veredelung der Rohstoffe und zur Erlangung des Absatzes trieb es. Die unmittelbare Nähe zu Köln und zu den benachbarten Rheinorten boten große Absatzmöglichkeiten.

Der bergische Mensch war nicht nur abhängig von günstigen Lagen. Sein Leben durfte nicht allein in der Nähe der Rheintore oder in seinem Willen zum geselligen Leben sich entfalten, sondern sich auf eigenen Wegen behaupten, und das vor allem auch mit einem starken Zuge zur Selbständigkeit.

Der bergische Mensch vermochte zugleich die wirtschaftlich moderne Zeit und ihr lebendiges, an allen schöpferischen Möglichkeiten aufgeschlossenes Wesen aus sich selbst hervorzubringen. Er hatte an sich die Fähigkeit, sich den Anforderungen der neuen Zeit anzupassen.

Die Familie Langen

Zu den ausführenden Persönlichkeiten bedeutenden Zusammenhangs gehörte die Familie Langen, die in der neuen Gestaltung wirtschaftlicher Möglichkeiten hervorragende Leistungen hervorbrachte.

Die älteste Angabe über ihren bergischen Stamm ist in der Gegend von Gummersbach – nicht von den Stellen, an die wir zunächst denken, wenn wir uns bergische Leute vorstellen – zurückzuführen. Die großen Siedlungszentren waren damals nicht im Tal. Die Langen waren in der dörflichen Welt, aus der sie hervorgingen, zu Hause, jedoch mit Blick auf Möglichkeiten, die über den engen Rahmen des Dorfes hinausführten.

Die Familie Langen verband bäuerliche Lebensform mit gewerblichen Tätigkeiten, die sich aus den Möglichkeiten des Landes ergaben. Die Söhne wurden frühzeitig zur Mitarbeit herangezogen. In ihnen verband sich die alte bergische Zähigkeit mit neuem wirtschaftlichem Unternehmungsgeist.

Johann Jakob der Ältere

(1758 bis 1844), der 4. Sohn eines Lehrers und Organisten zu Lüttringhausen, empfing die Kraft des bergischen Bodens. Er lernte den Beruf des Vaters nicht weiter, sondern wandte sich der kaufmännischen Tätigkeit zu.

Die Familie bildete die Grundlage für die weitere Entwicklung.

Johann Jakob der Jüngere

(1794 bis 1869) erlernte den Beruf vom Vater. Aber als er die Tochter eines Solinger Bürgers heiratete und die junge Ehefrau um ihre bescheidenen Mittel brachte, mußten wirtschaftliche Entscheidungen fallen. Johann Jakob der Jüngere entschied sich für das Stahlgewerbe in Solingen.

Er trat als Teilhaber in das Unternehmen ein und führte es durch seine Energie und seine kaufmännische Begabung weiter. Er verband handwerkliches Können mit kaufmännischem Weitblick.

Seit dem Jahr 1816, als die Neuordnung Europas nach den napoleonischen Erschütterungen eine neue Epoche einleitete und die wirtschaftliche Tätigkeit wieder erstarkte, begann für das Unternehmen Langen ein bedeutsamer Aufstieg. Die alten Bindungen an Zünfte und Beschränkungen lösten sich, neue Wege wurden beschritten.

Persönlichkeit und Kapital

Die Familie Langen und einzelne ihrer Persönlichkeiten gingen mit dem Geist Johann Jakobs des Jüngeren von einem altüberlieferten Leben zu neuen Aufgaben über. Die Verbindung von Persönlichkeit und Kapital prägte ihre Entwicklung.

Dabei war selbstverständlicher Fleiß, nüchterne Berechnung und ein fester Wille zur Gestaltung neuer wirtschaftlicher Möglichkeiten entscheidend. Das Kapital wurde nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Mittel zur Entfaltung persönlicher Tatkraft.

So entstand aus bergischer Herkunft eine Unternehmerschicht, die in der rheinischen Wirtschaftsentwicklung des 19. Jahrhunderts eine führende Rolle spielte und den Namen Langen dauerhaft mit industriellem Aufstieg verband.

(Unter dem Bild: Aufn. Tonner)

Im aufstrebenden Rhein

Johann Jakob der Jüngere hatte nicht nur als Kaufmann Bedeutung. Er war eine der gestaltenden Persönlichkeiten des rheinischen Wirtschaftslebens. In Köln und im bergischen Land erkannte man in ihm einen Mann, der über den engen Rahmen des Einzelunternehmens hinausblickte und die Entwicklung ganzer Wirtschaftszweige im Auge behielt.

Seine Tätigkeit reichte in zahlreiche Unternehmungen hinein. Er war beteiligt an Eisenwerken, an Hüttenbetrieben, an Handelsgesellschaften. In ihm verbanden sich kaufmännischer Scharfsinn, technische Aufgeschlossenheit und eine ausgeprägte organisatorische Begabung.

Die wirtschaftlichen Bewegungen der Zeit, die durch Eisenbahn, Dampfkraft und neue Absatzmärkte bestimmt wurden, fanden in ihm einen entschlossenen Förderer. Er verstand es, Kapital zu sammeln, zu lenken und in produktive Bahnen zu führen.

Eisen und Zucker

Nach Ablauf eines zunächst erfolgreichen Engagements zog sich Johann Jakob Langen aus einzelnen Betrieben zurück, ohne die große Linie aus dem Auge zu verlieren. Besonders im Bereich der Eisenverarbeitung, der Maschinenfabrikation und des Hüttenwesens zeigte sich sein Einfluss.

In den fünfziger Jahren trat eine neue Unternehmung hinzu, die dem Namen Langen eine besondere Stellung in der Wirtschaftsgeschichte sichern sollte: die Zuckerindustrie.

Die Entwicklung der Rübenzuckerfabrikation eröffnete neue Möglichkeiten. Johann Jakob Langen erkannte früh die Bedeutung dieses Industriezweiges. Mit Energie und Umsicht beteiligte er sich an der Gründung von Zuckerfabriken, zunächst im Rheinland, später auch in anderen Teilen Deutschlands.

Die Verbindung von landwirtschaftlicher Produktion und industrieller Verarbeitung entsprach seinem Denken. Er sah darin eine fruchtbare Ergänzung und eine Möglichkeit, bäuerliche Erzeugung und industrielle Technik zu verbinden.

Die Söhne

Der älteste Sohn, Carl Langen, ging von der Zuckerfabrikation bis sich im Jahre 1856 die Rheinische Zuckerindustrie in größerem Umfang entwickelte. Er war in Gründungen und Leitungen mehrerer Werke tätig.

Ein anderer Sohn, Emil, trat frühzeitig in den kaufmännischen Betrieb ein. Auch er verband praktische Erfahrung mit organisatorischem Talent und wirkte in verschiedenen Unternehmungen mit.

Weitere Söhne und Schwiegersöhne der Familie übernahmen Aufgaben in Eisenwerken, Zuckerfabriken, Handelsgesellschaften und Banken. So entstand ein weit verzweigtes Netz wirtschaftlicher Tätigkeiten, das durch familiäre Bindungen zusammengehalten wurde.

Unternehmer und Organisator

Johann Jakob Langen war kein bloßer Spekulant. Er legte Wert auf solide Grundlagen, auf klare Rechnungsführung und auf langfristige Planung. Seine Unternehmungen waren auf Dauer angelegt.

Er wirkte auch in wirtschaftlichen Körperschaften und Vereinigungen mit. Als Mitglied von Handelskammern und beratenden Gremien brachte er seine Erfahrung ein und förderte die Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Staat.

Die Organisation der Betriebe lag ihm besonders am Herzen. Er förderte technische Verbesserungen, rationelle Arbeitsweisen und eine klare Gliederung der Verantwortlichkeiten.

Das Patriarchat

Die Familie blieb dennoch durch persönliche Autorität zusammengehalten. Johann Jakob Langen war der Mittelpunkt, der Entscheidungen traf, Richtungen vorgab und Konflikte schlichtete.

Dieses patriarchalische Element war typisch für viele Unternehmerfamilien des 19. Jahrhunderts. Es schuf innere Geschlossenheit, verlangte aber auch Anpassung und Loyalität von den nachfolgenden Generationen.

Gleichzeitig ließ er den Söhnen Raum zur eigenen Entfaltung. Sie konnten selbständig handeln, solange sie die Grundlinien des Familienunternehmens achteten.

Die zweite Generation

Eugen Langen trat in einer Zeit in den Vordergrund, in der sich die technischen Grundlagen der Industrie rasch wandelten. Seine Ausbildung und sein Interesse galten besonders den technischen Fragen.

Während die ältere Generation stärker vom kaufmännischen Denken geprägt war, brachte Eugen Langen das ingenieurmäßige Element mit ein. Diese Verbindung erwies sich als außerordentlich fruchtbar.

Er wirkte an der Weiterentwicklung der Zuckerindustrie mit, wandte sich aber zugleich neuen technischen Aufgaben zu, die später zu bedeutenden Erfindungen führten.

Die neue Zeit

Die Familie Langen stand damit exemplarisch für den Übergang von einer vorindustriellen Wirtschaftsweise zu einer modernen Industriegesellschaft. Persönlichkeit, Kapital und Technik verbanden sich in ihrem Wirken.

Die rheinische Wirtschaftsentwicklung des 19. Jahrhunderts ist ohne solche Unternehmerfamilien nicht denkbar. Sie schufen Arbeitsplätze, erschlossen Märkte und gaben der Industrie ihre organisatorische Form.

Der Name Langen bleibt mit dieser Entwicklung eng verbunden. Aus bergischer Herkunft erwuchs eine wirtschaftliche Kraft, die weit über die Region hinauswirkte.